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Prälat Dr. Rudolf Schwarzenberger

Übernommen von: http://web.utanet.at/kirche25/Firmung.htm

Hier ein Interview mit Prälat Rudolf Schwarzenberger:
Frage: Wenn Sie in eine Pfarre als Firmspender kommen, welche Erwartungen, Hoffnungen, Wünsche ... begleiten Sie?
Schwarzenberger: Werde ich von einer Pfarrgemeinde als Firmspender eingeladen, so bemühe ich mich, in der Zeit der Firmvorbereitung schon die Gruppen zu besuchen. Mir liegt am Kontakt mit den Firmkandidaten/Innen und deren Begleiter/innen schon vor der Feier des Sakramentes.
Zunächst kann ich mich vorstellen und dann im gemeinsamen Gespräch den Weg der Vorbereitung und die Erwartungen der jungen Menschen hören. Meine Hoffnung geht dahin, dass die Zeit der Vorbereitung für möglichst viele eine Zeit des Näherkommens ist, d.h. sich selber, den anderen, Christus und auch der Gemeinschaft der Glaubenden näherzukommen.
So hoffe ich, dass trotz der oft widersprüchlichen Äußerlichkeiten, Gottes Geist das Herz der Jungen erfasst und wandelt. Denn sein Wort und auch sein Geist kehrt nicht unverrichteter Dinge zu Ihm zurück, sagt schon der Prophet Jesaja (Jes 55,10f ).
Frage: Erinnern Sie sich noch an den Tag Ihrer Firmung und wie haben Sie ihn verbracht?
Schwarzenberger: Am 13. Mai 1951 bin ich gefirmt worden, und zwar mit 14 Jahren! Entgegen dem Drängen meiner Familie, wollte ich selber schon älter sein. Damals war die Firmung in der letzten Volksschulklasse oder zu Beginn der Mittelschule üblich.
So erinnere ich mich noch sehr gut an den Tag und die Umstände.
Für Wiener war der Dom der Ort der Firmung. Für mich war es klar, dass ich am Pfingstsonntag die Gabe des Hl.Geistes empfangen wollte. So fuhr ich mit meinem Paten schon um 7 Uhr zum Stephansdom. Dort angekommen, mussten wir uns in einer langen Reihe der schon Wartenden anstellen, das hieß, die Wollzeile hinunter bis zum Luegerdenkmal. Heute, wenn ich vorbeigehe, erinnere ich mich noch oft an diesen Pfingstsonntag.
Wir mussten lange warten, bis gegen 12 Uhr. Dann wurden wir in den Dom eingelassen, dieser war ja nach den schweren Kriegsschäden noch nicht ganz restauriert, in Kreisen aufgestellt und empfingen das Sakrament der Firmung, selbstverständlich waren die Gebete alle in lateinischer Sprache. Nur ein Gebet nach der Firmung haben wir deutsch gebetet. Dann wieder aus dem Dom beim Seitentor hinaus. Die Wartezeit war sehr lang, die Feier äußerst kurz!
Welche gute Entwicklung in der Feier der Firmung, wie wir sie heute erleben dürfen. Das verdanken wir der Reformarbeit der Kirche nach dem 2. Vatikanischen Konzil und der Wiener Diözesansynode. Es hat sich mehr zum Guten gewendet, als wir es heute oft wahrhaben wollen!
Den Rest des Tages habe ich daheim in meiner Familie verbracht, denn es war ja auch Muttertag.
Frage: Angenommen Sie würden einen gemeinsamen Abend mit den Jugendlichen verbringen und mit ihnen über "Gott und die Welt" diskutieren. Was halten Sie heute für die größten Probleme, Chancen und Herausforderungen an Jugendliche?
Schwarzenberger: Als großes Problem für junge Menschen scheint mir heute die Einstellung der sog. Fun-Gesellschaft zu sein: Mach, was dir Spaß macht!
Daher scheint mir wichtig zu sein, den jungen Menschen, die "Tugend" des Hinterfragens nahezubringen. Sie sollen die Welt der Erwachsenen, aber auch ihre eigene Welt kritisch hinterfragen. Wenn es schon im 1.Johannesbrief heißt: "Traut nicht jedem Geist..." (1 Joh 4,1 ), so gilt das heute mehr denn je.
Darin liegt auch die Herausforderung für die nächste Generation, nicht im Trend zu liegen ist "IN?", sondern sich selbst ein Urteil zu bilden, was für mein Leben richtig und wichtig ist.
Frage: Welchen Rat, Tip, Leitspruch etc. würden Sie einem Firmling mit auf den Lebensweg - in Kirche und Gesellschaft - geben?
Schwarzenberger: Sich selbst ein Urteil bilden, was für mein Leben richtig und wichtig ist. Alternativ, richtig verstanden, ist mein Rat für junge Menschen, in Kirche und Gesellschaft. Rezepte dafür kann ich keine geben, gerne aber im Gespräch mich mit ihnen auf den Weg zu begeben.
Frage: Welche ist Ihre Lieblingsstelle in der Bibel und warum?
Schwarzenberger: Lk 24, 13-35, die Begegnung des Auferstandenen mit den Jüngern auf dem Weg nach Emmaus. Sie spricht vom Leben des Menschen mit seinen Hoffnungen und Enttäuschungen, auch vom Scheitern und dem Versuch sich durch Flucht vor der Verantwortung zu drücken.
Sie zeigt jedoch sehr deutlich, dass ich mich als Hörender einlassen muss auf die Botschaft von Jesus, dem Gekreuzigten und Auferstandenen, mich von ihm begleiten lassen soll in meinen Fragen und die Zeichen richtig zu verstehen suche, die Er mir schenkt.
Sie führt mich zur Gemeinschaft der Glaubenden, die einander den Glauben bezeugen und darin einander bestärken. Sie macht deutlich, wie wichtig die Feier der Eucharistie für die Kirche ist.
Frage: Die meisten Jugendlichen, die 2001 von Ihnen gefirmt werden, haben wahrscheinlich im Jahr 2030 bereits selbst Kinder, die sich dann -hoffentlich ebenfalls- auf die Firmung vorbereiten werden. Wenn diese dann ihre Eltern nach deren Firmung fragen werden, was sollten die bleibenden Erinnerungen dieses Tages, dieses Ereignisses sein? Und was sollte im Rückblick die Summe dieses Tages sein?
Schwarzenberger: Die Firmung, wenngleich ich damals nicht alles begriffen hatte, war für mich wichtig, denn sie war Anlass dafür, dass ich mich mit den Fragen meines Lebens auseinandergesetzt habe und, wenn auch oft unbewusst, ich mich von Gottes Geist habe führen lassen, weil ich mehr auf die Stimme meines Gewissens hörte, als auf andere Meinungen.

Hier sein Lebenslauf: Rudolf Schwarzenberger wurde am 1. März 1937 in Wien geboren und war nach seiner Priesterweihe am 29. Juni 1961 zunächst Kaplan in Stockerau, dann war er als Studienpräfekt und Subregens am Wiener Priesterseminar sowie als Universitätsassistent tätig, ehe er zum Pfarrer von Stockerau ernannt wurde.
Von 1975 bis 1987 leitete er das Pastoralamt der Erzdiözese Wien, zugleich war er Seelsorger der Gemeinde Kordon im 14. Bezirk. Daneben arbeitete Dr. Schwarzenberger in zahlreichen kirchlichen Gremien mit. Seit Juni 1988 ist er Pfarrer in Mauer in Wien 23.
Von 1974 - 1999 Vorsitzender der Diözesankommission für Liturgie. Dr. Schwarzenberger gehört zu den führenden Liturgiefachleuten Österreichs. Er hat u.a. die Liturgie der großen Messfeier mit Johannes Paul II. auf dem Wiener Heldenplatz beim Papstbesuch im Juni 1998 vorbereitet. Im September 1998 ernannte Papst Johannes Paul II. Schwarzenberger zum Prälaten.

 

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 updated on 13.09.07 by gcd